Weinfehler erkennen: Wenn der Wein nicht so schmeckt, wie er sollte

Manchmal öffnet man eine Flasche Wein und irgendetwas stimmt nicht. Der Duft erinnert an feuchten Karton, der Wein wirkt ungewöhnlich flach oder riecht unangenehm nach Essig. Doch handelt es sich wirklich um einen Weinfehler oder einfach um einen Geschmack, der einem persönlich nicht gefällt?

Weinfehler zu erkennen ist keine Frage von besonders feinem Geschmack. Oft reichen ein paar einfache Hinweise, um ungewöhnliche Aromen besser einzuordnen. Wer weiß, worauf er achten muss, kann außerdem leichter unterscheiden, ob ein Wein tatsächlich fehlerhaft ist oder einfach einen ungewöhnlichen Charakter besitzt.

Wenn Wein plötzlich nach nassem Karton riecht

Der bekannteste Weinfehler ist wahrscheinlich der sogenannte Korkfehler. Er entsteht meist durch bestimmte chemische Verbindungen, die unter anderem mit dem Korken in Verbindung stehen können.

Typisch ist ein Geruch, der an feuchten Karton, nasse Pappe oder einen muffigen Keller erinnert. Gleichzeitig wirken die eigentlichen Fruchtaromen des Weines oft stark abgeschwächt.

Das Interessante daran: Ein Wein mit Korkfehler schmeckt nicht unbedingt sofort eindeutig „schlecht“. Häufig fällt zuerst auf, dass ihm etwas fehlt. Der Wein wirkt stumpf, flach und weniger aromatisch als erwartet.

Korkfehler können sowohl Rotwein als auch Weißwein betreffen. Auch der Preis einer Flasche schützt nicht davor. Ein hochwertiger Wein kann genauso betroffen sein wie ein einfacher Alltagswein.

Wenn der Verdacht auf einen Korkfehler besteht, lohnt es sich deshalb, den Wein nicht sofort als persönlichen Fehlkauf abzuschreiben. Ein muffiger, verschlossener Eindruck kann tatsächlich auf einen Fehler hindeuten.

Wenn Wein nach Essig oder Nagellack riecht

Ein anderer möglicher Weinfehler hängt mit flüchtiger Säure zusammen. Dabei können bestimmte Mikroorganismen unter ungünstigen Bedingungen Stoffe bilden, die an Essig oder Lösungsmittel erinnern.

Ein leicht säuerlicher Eindruck ist bei Wein natürlich nicht automatisch ein Fehler. Säure gehört zu den wichtigsten Bestandteilen eines Weines und sorgt häufig für Frische und Spannung.

Problematisch wird es, wenn der Geruch deutlich in Richtung Essig oder Nagellackentferner geht und den eigentlichen Charakter des Weines überlagert.

Hier zeigt sich eine wichtige Besonderheit bei der Beurteilung von Wein: Ein einzelner ungewöhnlicher Geruch reicht nicht immer aus. Entscheidend ist, wie stark er ausgeprägt ist und ob er den Wein aus dem Gleichgewicht bringt.

Nicht jede ungewohnte Note ist also automatisch ein Weinfehler.

Wenn Wein nach Äpfeln oder Sherry erinnert

Oxidation ist ein weiteres Phänomen, das bei Wein eine wichtige Rolle spielt. Sauerstoff ist bei der Herstellung und Reifung nicht grundsätzlich schlecht. In kleinen Mengen kann er sogar zur Entwicklung eines Weines beitragen.

Zu viel Sauerstoff kann einen Wein jedoch vorzeitig verändern.

Bei Weißweinen können oxidierte Aromen beispielsweise an überreife Äpfel, Nüsse oder Sherry erinnern. Frische und lebendige Fruchtaromen gehen zurück und der Wein wirkt häufig müde oder flach.

Bei Rotweinen kann sich die Farbe verändern und der Wein kann an Frische verlieren.

Besonders häufig begegnet man Oxidation bei bereits geöffneten Flaschen. Sobald Wein mit Luft in Kontakt kommt, beginnt seine Entwicklung. Deshalb schmeckt eine geöffnete Flasche nach einigen Tagen häufig anders als direkt nach dem Öffnen.

Das ist allerdings nicht dasselbe wie ein Weinfehler in der ungeöffneten Flasche. Eine gewisse Veränderung nach dem Öffnen ist völlig normal.

Wenn Wein ungewöhnlich nach Schwefel riecht

Manche Weine können direkt nach dem Öffnen einen Geruch entwickeln, der an faules Ei, Schwefel oder verbrannte Streichhölzer erinnert. Dieses Phänomen wird häufig mit Reduktion in Verbindung gebracht.

Reduktive Aromen können bei bestimmten Weinstilen auftreten und sind nicht immer dauerhaft. Manchmal verschwinden sie nach einigen Minuten Kontakt mit Sauerstoff wieder.

Genau deshalb kann es sinnvoll sein, einem Wein etwas Zeit zu geben.

Das bedeutet nicht, dass man jeden unangenehmen Geruch einfach akzeptieren sollte. Ist die Ausprägung sehr stark oder verschwindet sie auch nach längerer Belüftung nicht, kann tatsächlich ein Weinfehler vorliegen.

Für Weinliebhaber ist das ein gutes Beispiel dafür, warum Wein nicht immer unmittelbar nach dem Öffnen beurteilt werden sollte. Manche Weine brauchen ein wenig Zeit, um sich zu zeigen.

Brettanomyces: Wenn Wein nach Stall oder Leder riecht

Etwas schwieriger wird die Beurteilung bei sogenannten Brettanomyces, einer Hefegattung, die bei Wein bestimmte aromatische Verbindungen erzeugen kann.

Je nach Ausprägung können diese an Leder, Stall, Erde oder medizinische Noten erinnern. In sehr geringer Konzentration können solche Aromen von manchen Weinliebhabern sogar als interessant oder charaktervoll wahrgenommen werden.

Wird der Einfluss jedoch zu stark, können die Fruchtaromen des Weines überdeckt werden und der Wein wirkt unausgewogen.

Gerade dieses Beispiel zeigt, dass die Grenze zwischen charakteristischer Aromatik und Weinfehler manchmal nicht vollkommen eindeutig ist.

Wein ist kein standardisiertes Produkt, bei dem jede Flasche exakt gleich riechen muss. Unterschiedliche Herstellungsverfahren und Reifungsbedingungen können zu sehr unterschiedlichen Aromen führen.

Die entscheidende Frage ist deshalb immer, ob eine Aromatik den Wein bereichert oder ob sie seine Balance zerstört.

Weinfehler oder einfach nicht dein Geschmack?

Das ist wahrscheinlich die wichtigste Unterscheidung überhaupt.

Nicht jeder Wein, der einem nicht schmeckt, ist fehlerhaft.

Vielleicht ist ein Rotwein zu tanninreich, ein Weißwein zu säurebetont oder ein Naturwein ungewöhnlich aromatisch. Vielleicht mag man einfach keine Holznoten oder bevorzugt trockene statt fruchtig-süße Weine.

Das sind keine Weinfehler. Es handelt sich um persönliche Vorlieben.

Ein Weinfehler liegt eher dann vor, wenn eine unerwünschte Veränderung den Wein deutlich beeinträchtigt. Dabei hilft es, möglichst neutral zu riechen und zu schmecken.

Statt zu sagen „Der Wein schmeckt schlecht“, kann man sich fragen: Riecht er muffig? Wirkt er oxidiert? Hat er ungewöhnlich starke Schwefelnoten? Fehlen die Fruchtaromen vollständig?

Diese kleine Veränderung in der Betrachtungsweise kann bereits helfen, Wein besser zu verstehen.

Was tun, wenn man einen Weinfehler vermutet?

Wenn eine Flasche im Restaurant geöffnet wird und eindeutig fehlerhaft wirkt, sollte man das ruhig ansprechen. Das Personal kann den Wein prüfen und gegebenenfalls eine neue Flasche öffnen.

Auch zu Hause muss man einen verdächtigen Wein nicht einfach trinken. Wenn der Geruch deutlich auf einen Fehler hindeutet, lohnt es sich, den Wein noch einmal nach einigen Minuten zu prüfen.

Manchmal verändert sich der erste Eindruck durch Belüftung. Manchmal bleibt die unangenehme Note bestehen.

Für Weinliebhaber ist es dabei hilfreich, nicht nur fehlerfreie Weine zu trinken, sondern auch die eigenen Eindrücke zu hinterfragen. Wer einmal bewusst einen Korkfehler oder einen deutlich oxidierten Wein erlebt hat, erkennt solche Veränderungen beim nächsten Mal wesentlich leichter.

Ein Wein muss nicht perfekt sein, um interessant zu sein

Wein zu verstehen bedeutet nicht, jede Flasche in gut oder schlecht einzuteilen. Viel spannender ist es, zu verstehen, warum ein Wein so riecht und schmeckt, wie er es tut.

Manche Aromen entstehen durch die Rebsorte, andere durch Gärung, Holz, Reife oder Lagerung. Wieder andere können auf einen Fehler hindeuten.

Wer diese Unterschiede kennt, entwickelt mit der Zeit ein besseres Gespür für Wein. Und genau darin liegt ein großer Teil des Genusses.

Denn je besser man versteht, was im Glas passiert, desto bewusster nimmt man den Wein wahr. Man muss dafür kein Sommelier sein. Oft reicht schon ein wenig Aufmerksamkeit und die Bereitschaft, dem eigenen Geschmack genauer zuzuhören.